VITA CAROLI PAULI

„Vita Caroli“ ist – als literarische Serie – der Anfang aller Reisen eines jungen Mönchs in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Dieser Anfang entfaltet sich in sieben Phasen zuzüglich einer „Initialphase“, der „Zeit der Anfänge“. Diese Gärungs- und Entstehungszeit der gesamten Geschichte beginnt am 25.12. 1246 – „770 Jahre vor unserer Zeit“.

Und noch in den Weihnachtstagen entwickelt Carolus Paulus, der „Held“, die damals neue Idee einer Autobiographie. In bisweilen täglichen Notizen und gelegentlichen „Inscriptiones“ versichert er sich immer wieder selbst des Erlebens und der Realität seiner eigenen Gefühle und – bisweilen tiefsinnigen und etwas verträumten – Gedanken.

Nach einem für den jungen Mann mühsamen und zum Teil qualvollen Anfang in der Fastenzeit des Jahres 1247 beginnt diese erste Reise „Vita Caroli Pauli“ im Frühjahr des selben Jahres. Später wird er sich an diese mühsamen Anfänge nur noch „erinnern“. Doch es ist genau dieses Erinnern, das im Laufe von Leiden und Leben in mehrfacher Hinsicht Identität stiftet. Phase für Phase seiner Wanderschaft durch das „Imperium“ entwickeln sich so die Grundthemen des Mensch-Seins, gespiegelt in den Themen der Fastensonntage, an die er sich Schritt für Schritt erinnert:

Es ist die Identität des „wandernden Individuums“, der nicht nur das Leben als Pilgerschaft und Kampf erlebt, sondern – neuzeitlich gedacht – das Entstehen der Identität eines Menschen im Laufe aller Reisen seines Lebens aus der „inneren Arbeit des Erinnerns und Entwerfens“ vor Augen führt. In Erinnern und Entwerfen konstituiert sich denn auch die Person des Menschen Carolus.

Es ist aber auch die Identität dieses „Reiches“, das er durchwandert, die ihn fundamental bewegt: Das „Reich deutscher Zunge“ stellt sich ihm unerwartet vielfältig, extrem kreativ und in einem grossen Aufbruch befindlich dar. Und „was es denn genau“ ist, das quält den unruhigen Denker:

Das ausgehende 13. Jahrhundert ist genau die Zeit, in der die Grundlagen der typisch deutschen politischen Kultur der beginnenden Neuzeit gelegt werden. Und es ist darin der autonome, von den Herrschenden bisweilen als „Verschwörung“ empfundene Aufbruch der „Beherrschten“, darin vor allem der deutschen Städte, der Universitäten und Regionen, der die fast verwirrende Vielfalt Deutschlands – und das in mancher Hinsicht bis heute – prägt.

„Vita Caroli Pauli“ ist aber erstlich und letztlich auch das, was „Erinnern“ für den jungen Mönch und Priester im ursprünglichen Sinn des Fastensonntages bedeutet: Ohne dass Gott sich dieses Landes erinnerte, ohne sein sichtbares Eingreifen und letztlich sein helfendes Erbarmen, würde dieses „Reich“ seine überall hervortretende, dunkle und böse Seite so entfalten, dass es als Reich zerbrechen und als Gemeinwesen zur Hölle werden würde. Dass dies eine reale Perspektive sein kann, hat kaum ein Land schockierender erlebt als Deutschland und die Deutschen.

Freud und Leid, Hass und Liebe, Gutes und Böses, Himmel und Hölle, alles ist gleichermassen gegenwärtig in „Vita Caroli Pauli“.

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