Schlüssel entwerfen: «Wie schreibt man ein Buch?»

Es hat mich heute früh – ein seltenes Ereignis – fast sprachlos gemacht, als die 95 Jahre alte Dame, die ich gerade besuche, mich mit sinnendem Blick aus dem Fenster blickend fragte: «Wie schreibt man ein Buch?… nimmt man da lauter Blätter und beschreibt die … irgendwie?».

Ich erklärte ihr, dass ich ihr nur sagen könne, wie ich es mache. «Und?»… ich musste mir etwas einfallen lassen.

«Mein Held schreibt selbst», und sie sah mich verblüfft an. Aber der hätte doch vor 770 Jahren gelebt. «Eben», sagte ich, das ist ja eine der Besonderheiten meiner Bücher. «Er ist – in der Geschichte, und natürlich erfunden – einer der Ersten, der eine Autobiografie schreibt». Da ich ihr die Einleitung zu «INITIA» vorgelesen hatte, verstand sie tatsächlich.

«Und der Rest?». Ja, dachte ich, der so genannte Rest. Der Rest seien historische Recherchen und ein recht viel wissender Erzähler… Ich wollte nicht auch noch eine Diskussion über «allwissend» eingehen.

Das Wichtigste, dachte ich im stillen, das wichtigste ist ein präziser Kalender, historisch korrekt und dramaturgisch «poweful». Und später werden für verschiedene Hauptpersonen verschiedene Kalender hinzukommen. Und alles läuft «am Ende aller Tage» zusammen… oder eben auch nicht.

Aber das Ganze sei sehr mühsam, sagte ich der nachdenklichen, alten Dame. «Ja, ich könnte es nicht», meinte sie schliesslich. Und: Ich wisse oft auch nicht so recht weiter, warf ich dann ein. Aber dann kommt irgendwie «der Held» selbst aus der Geschichte, das sei sehr eigenartig, und es ist oft, als ob er mir selbst nahelegen würde, wie es weitergeht.

Das könne sie sich aber nun schon vorstellen, beendete sie das Gespräch und schwieg so lange, dass ich nachsah, ob sie noch weiter atmete. – Doch ihre Augen lachten.

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