Realität

Nun nimmt die Geschichte meines Protagonisten Fahrt auf: Der berühmte Abt von St. Maurice, Nantelmus, verweigert dem jungen Mann überraschend die Reiseerlaubnis: Er sei zu jung.

Carolus bekommt öffentlich einen Wutanfall, auf seine Weise, und knallt dem berühmten Kirchenmann öffentlich den Vorwurf an den Kopf, wider den Willen Gottes zu handeln. Er vergisst dabei, dass Nantelmus, wie alle Äbte von St. Maurice, direkt dem Papst unterstellt ist. Der Abt rügt ihn, aber er straft ihn nicht.

Nur wird er isoliert und von einigen seither gemieden. Er leidet wie ein vereinsamter Hund.

Aber in einer der letzten Nächte passiert etwas völlig Neues. Und er kann es sich nicht erklären. Er kann es auch andern nicht erklären. Nicht er begegnet, sondern ihm begegnet etwas, das er nicht los werden kann: Eine „apparitio“, eine Erscheinung trifft ihn geradezu. Und das zunächst völlig unpassend erscheinende Wort, das quasi in ihm stehen bleibt, obwohl er es am liebsten einmal vergessen würde, verschafft ihm das Gefühl, dass es da etwas Anderes gibt, als nur Ideen, Wünsche, Vorstellungen und Träume.

Die Welt, die sich hier ankündigt, ist ihm nicht nur „Wille und Vorstellung“ (wie das im frühen 19. Jahrhundert durch Schopenhauer beschrieben wurde), sondern er ist mit etwas konfrontiert, mit einer neuen Ebene des Seins sozusagen, die nicht davon abhängt, ob wir sie beschreiben oder an ihr teilhaben oder teilnehmen. Wir werden, salopp gesagt, nicht schon zu Beginn gefragt, ob wir mitmachen wollen. Das „Etwas, wie Carolus“ es nennt, ist „erst mal da“. Es ist:

Realität.

Un diese Realität kündigt eine Veränderung an, die Carolus nicht erfasst. Zeitlich, ursächlich, persönlich, alles übersteigt sein Vermögen.

Es ist jedoch geschehen seither, dass Carolus einbezogen wurde in dieses „Etwas“: Irgendetwas in ihm schöpft eine Hoffnung und Zuversicht, die er vorher nicht hatte: JETZT, wo sie schon zu Ende scheint, nimmt die ganze Geschichte erst Fahrt auf. Und in dem noch einige Zeit unsichtbaren JETZT beginnen die „sieben Reisen“ seines Lebens. Und aus diesem JETZT gewinnen sie einen Teil ihres Sinns. – Geheimnisvoll, wie das Leben selbst.

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